Größerer Bitcoin-Markt könnte Rallye und Absturz bremsen
Bitcoin notiert bei 86.136 US-Dollar, ein Plus von 1,03 Prozent binnen 24 Stunden – doch die eigentlich relevante Frage lautet nicht, wie hoch der nächste Sprung ausfällt, sondern wie stark der Markt diesen überhaupt noch treiben kann. Ki Young Ju, Gründer und CEO der On-Chain-Analyseplattform CryptoQuant, hat am 22. September auf X eine Einschätzung veröffentlicht, die genau diese Erwartung dämpft: Er rechnet in diesem Zyklus mit einer drei- bis fünffachen Wertsteigerung statt einer erneuten parabolischen Rallye von zehnfach oder mehr – im Gegenzug soll der folgende Bärenmarkt spürbar milder ausfallen als in früheren Zyklen.
Bitcoin zwischen Mehrfachrendite und gedämpftem Zyklus
Jus Kernthese ist keine klassische Kurszielprognose, sondern eine strukturelle Einschätzung des Marktes. Ein größerer, institutioneller geprägter Bitcoin-Markt dämpfe demnach beide Extreme gleichzeitig: das Aufwärtspotenzial ebenso wie den anschließenden Absturz. Ein konkretes Kursziel oder einen festen Zeitrahmen nennt er dabei nicht – die Prognose bleibt bewusst auf die Größenordnung des Multiplikators beschränkt.
Bitcoin bei 86.136 US-Dollar: Der aktuelle Ausgangspunkt
Zum Zeitpunkt von Jus Analyse lag Bitcoin bei 86.136 US-Dollar, nach einem moderaten Tagesgewinn von 1,03 Prozent. Angaben zu Marktkapitalisierung oder Handelsvolumen liefert die zugrunde liegende Quelle nicht, weshalb sich an dieser Stelle auch keine belastbaren Rückschlüsse auf die kurzfristige Liquiditätslage ziehen lassen.
Keine belastbare technische Kursstruktur im Ausgangsmaterial
Wer auf konkrete Unterstützungs- oder Widerstandsmarken hofft, wird in Jus Analyse nicht fündig. Es gibt weder Angaben zu RSI oder MACD noch zu gleitenden Kursdurchschnitten oder klassischen Chartformationen. Der von CryptoQuant herangezogene 365-Tage-Durchschnitt des PnL-Index ist ein geglätteter On-Chain-Rentabilitätsindikator – kein technisches Preissignal, auch wenn er im Diagramm neben dem Bitcoin-Kurs dargestellt wird.
On-Chain-Signale für weniger extreme Zyklen
Der CryptoQuant-Gewinn- und Verlust-Index (PnL-Index) misst die aggregierte Rentabilität aller Bitcoin-Halter. Laut Ju liegen die jüngsten Rentabilitätsspitzen deutlich unter den Höchstständen früherer Zyklen, während der gleitende 365-Tage-Durchschnitt weiterhin unter null verharrt und am aktuellen Rand der Grafik weiter fällt. Selbst an den Zyklustiefs blieb Bitcoin über den durchschnittlichen On-Chain-Anschaffungskosten der Halter, das MVRV-Verhältnis – Marktwert im Vergleich zum realisierten Wert – notierte durchgehend über eins. Mehr zu dieser Kennzahl liefert unsere Analyse zum Realized-Cap-Signal. Ergänzend ordnete Glassnode das Angebot der Langzeithalter als stärkere Erklärungsvariable für die niedrige Volatilität ein als die reine Marktgröße – rund 19 Prozent erklärter Varianz gegenüber etwa 3 Prozent durch die Marktkapitalisierung. Ein Rückgang um 69.494 Adressen in zwei kleineren Wallet-Kategorien belegt dabei nicht zwangsläufig eine entsprechende Zahl ausgestiegener Einzelanleger.
Ki Young Jus institutioneller Marktausblick
Ju führt die gedämpften Extreme direkt auf die veränderte Marktstruktur zurück: Ein größerer Markt mit wachsendem institutionellem Anteil begrenze das Aufwärtspotenzial, mildere aber im Gegenzug auch die Abwärtsbewegung. Als unterstützende Signale nennt er eine steigende realisierte Marktkapitalisierung, einen Verkaufsstopp langfristiger Großinhaber sowie den Aufbau bullischer Terminpositionen nahe dem Zyklustief. Diese Argumentation knüpft an eine frühere Einschätzung des CryptoQuant-CEOs an, wonach internationale institutionelle Nachfrage und regulierter ETF-Zugang über den Höhepunkt des Zyklus mitentscheiden könnten – ergänzt um breitere Fondsverfügbarkeit, tiefere Stablecoin-Liquidität und eine Finanzinfrastruktur auf Basis tokenisierter Vermögenswerte.
Bullisches und defensives Szenario für Bitcoin
Im bullischen Szenario setzt sich der aktuelle Trend fort: Institutionelle Nachfrage, eine steigende realisierte Marktkapitalisierung und anhaltende Kapitalzuflüsse tragen Bitcoin auf die von Ju erwartete drei- bis fünffache Wertsteigerung im Verlauf des Zyklus. Im defensiven Szenario bleibt die Rallye gegenüber früheren Zyklen mit zehnfachen oder höheren Anstiegen begrenzt – dafür fällt der anschließende Bärenmarkt weniger scharf aus, weil größere Marktgröße und institutioneller Besitz die Extreme in beide Richtungen dämpfen. Bestätigt würde diese These durch weiterhin weniger extreme PnL-Spitzen, ein MVRV-Verhältnis dauerhaft über eins und eine widerstandsfähigere Halter-Rentabilität. Zum Vergleich lohnt ein Blick auf JPMorgans deutlich höher angesetztes Kurspotenzial, das von einer anderen Modellannahme ausgeht. Ein konkretes Kursziel oder ein festes Zeitfenster lässt sich aus Jus Analyse hingegen nicht ableiten.
Institutionelle Nachfrage als externer Verstärker
Als externen Verstärker nennt die zugrunde liegende Analyse internationale institutionelle Nachfrage und den Zugang zu ETF-Produkten, insbesondere in Märkten außerhalb der USA, in denen der regulierte Zugang bislang begrenzt ist. Breitere Fondsverfügbarkeit, tiefere Stablecoin-Liquidität und eine auf tokenisierten Vermögenswerten basierende Finanzinfrastruktur könnten die Teilnahme zusätzlich stützen. Konkrete geldpolitische Ereignisse oder regulatorische Termine werden dabei nicht benannt.
Unser Urteil: Weniger Parabel, potenziell milderer Rückgang
Wir bewerten Jus These als strukturell bullish, aber ausdrücklich nicht als Versprechen einer erneuten parabolischen Kursbewegung. Entscheidend wird sein, ob institutionelle Nachfrage und die beschriebenen On-Chain-Signale – stabile realisierte Marktkapitalisierung, MVRV über eins, ruhigere PnL-Spitzen – die geringeren Extreme tatsächlich bestätigen. Das größte Risiko für diese Einschätzung liegt in der weiterhin unter null liegenden und fallenden 365-Tage-Linie des PnL-Index, die zeigt, dass die aktuelle Marktphase noch keine breite, gefestigte Rentabilität der Halterbasis widerspiegelt.